Die weltweite
Klimadiskussion hat eine Rückbesinnung auf alte, fast vergessene
Möglichkeiten in der Stoff- und Energiewirtschaft gebracht. Mit der
Absicht, knapper werdende Ressourcen zu schonen, wendet man sich
wieder erneuerbaren Energien und Rohstoffen zu und hofft, damit eine
spürbare Entlastung der Umwelt durch schädliche Emissionen zu
erreichen. Die Vorstellung aber, dass „grüne“ Einsatzstoffe eine
umweltgerechte Produktion automatisch nach sich ziehen, ist leider
eine Illusion.
Die
Erkenntnis, dass die Verbrennung von Holz mit ähnlichen Emissionen
verbunden ist wie die von Kohle, hat sehr schnell zur
Entwicklungsaktivitäten zur Holzvergasung geführt. Mit dem Holzgas hat
man tatsächlich einen Energieträger, der nach Reinigung umweltgerecht
genutzt werden kann.
Leider fällt
bei der Holzvergasung ein Abwasser an, das umweltgefährdend und schwer
zu reinigen ist. Die befriedigende Lösung dieses Problems wird
entscheiden, ob sich die Holzvergasung als umweltgerechtes Verfahren
etablieren kann.
Bei der
Vergasung werden häufig die Reaktionen
2
C + O2 = 2 CO
2
C + H2O = CO + H2
als die
bestimmenden angesehen. Der Entstehung weiterer Produkte wird in der
Regel wenig Beachtung geschenkt.
Der
Gesamtprozess der Vergasung besteht aus den Teilen
-Trocknung
-Pyrolyse
-Vergasung
die nur
formell nacheinander ablaufen.
Die Trocknung
ist zum größten Teil bei einer Temperatur von 100 °C abgeschlossen.
Der Beginn der Pyrolyse wird meistens zwischen 150 und 200 °C
angesetzt. Sie beginnt aber wesentlich früher und ist für junge
Braunkohlen schon ab 85°C durch Abspaltung von CO2
nachweisbar.
Teerbildung
Der
wichtigste Temperaturbereich für die Pyrolyse liegt zwischen 300°C und
500 °C. In diesem Temperaturbereich wird die Hauptmenge des Teeres
gebildet. Der Teer ist ein Gemisch einer Vielzahl aliphatischer,
zyklischer und heterozyklischer Kohlenwasserstoffe. Die
Zusammensetzung der Teere ist von der Art der Einsatzstoffe und den
Bedingungen während der Pyrolyse abhängig und ist damit in gewissen
Grenzen beeinflussbar.
Die
Zusammensetzung verschiedener Hölzer hinsichtlich der Stoffgruppen
schwankt in weiten Grenzen ( Tabelle 1)
Tabelle
1
Zusammensetzung verschiedener Holzarten ( %)
nach
Lissner / Thau
|
|
Fichte |
Kiefer |
Buche |
Birke |
|
Zellulose |
57,84 |
54,25 |
53,46 |
45,3 |
|
Hemizellulose |
14,3 |
13,25 |
25,88 |
27,91 |
|
Pektine |
1,22 |
1,11 |
1,75 |
1,61 |
|
Lignin |
28,29 |
26,35 |
22,46 |
19,56 |
|
Wachse/Harze |
2,3 |
3,45 |
1,78 |
1,8 |
|
Asche |
0,77 |
0,39 |
1,17 |
0,39 |
Die
Einteilung in Stoffgruppen kann die Zusammensetzung des Holzes nur
sehr grob wiedergeben, denn die Stoffgruppen umfassen eine große
Anzahl verschiedener Stoffe, die wegen einiger gemeinsamer
Eigenschaften den Stoffgruppen zugeordnet werden.
Tabelle 2
Elementaranalyse der wichtigsten Stoffgruppen von Holz
|
Stoffgruppe |
C % |
H % |
O % |
Chemische
Konstitution |
|
Wachse
(
Mittelwerte) |
79,2 |
13,4 |
6,4 |
hochmolekulare ( C24-C30 ) ,aliphatische
Alkohole, Säuren und deren Ester |
|
Harze
(Mittelwerte) |
76,4 |
9,3 |
11,3 |
substituierte 4 -7-kernige aromatische Ringe; phenolische
-OH , CH ,CH3
-gruppen |
|
Lignin
Fichte
Buche |
57,6
57,3 |
6,1
6 |
33,3
34,7 |
Derivate des
Phenylpropans
mehrkernige aromatische Verb.
,-OCH3 ; - OH , Baustein verschiedener Lignine
unterscheiden sich! |
|
Hemizellulosen |
|
|
|
Holzpolyosen
,Pektine , verschiedene Polysäuren |
|
Zellulose |
44,7 |
5,6 |
49,7 |
hochmolekulares Polysacharid ,Baustein -Glucose |
Teere auf der
Basis von Stein- Und Braunkohlen waren über etwa hundert Jahre eine
wichtige Grundlage der Stoffwirtschaft. Die Teerbildung bei der
Holzvergasung Ist ein unerwünschter Prozess. Die Teere aus der
Holzpyrolyse unterscheiden sich in ihren wichtigsten Eigenschaften von
den Kohleteeren gravierend. Für eine stoffwirtschaftliche Nutzung der
Holzteere sind die Technologien der Kohleteerverarbeitung nur
begrenzt geeignet. Außerdem ist das Know how für die Verarbeitung von
Kohleteeren zum großen Teil schon vergessen. Deshalb ist der Teer
gegenwärtig ein unerwünschtes Nebenprodukt , das aus dem Gas
abgeschieden und entsorgt werden muss
Tabelle 3
Schwelausbeuten der Stoffgruppen von Holz
|
|
Teer % |
Koks % |
Gas % |
Wasser % |
|
Zellulose |
23 |
25 |
19 |
33 |
|
Lignin |
12 |
57 |
18 |
13 |
|
Wachs |
76,7 |
9,3 |
9,7 |
4,3 |
|
Harz |
56,6 |
21,4 |
15,8 |
4,25 |
Tabelle 4
Charakteristik der Teere
|
Zellulose
|
Lignin |
Wachs |
Harz |
|
neutrale Verbindungen überwiegen
|
saure
Verbindungen überwiegen ( 60-64 % ) |
Neutralöl |
Neutralöl
mit sauren Bestandteilen |
|
|
wasserlösliche Säuren (Essigsäure u.a. )
Azeton
Methanol
Phenol
Kohlenwasserstoffe |
Paraffine |
Aromaten
Phenol |
Neben der
Ausgangssubstanz hat die Prozessführung während der Pyrolyse
entscheidenden Einfluss auf die Eigenschaften und die Zusammensetzung
der Teere und des Abwassers.
Tabelle 5
Einfluss
der Prozessbedingungen auf die Teerbildung
|
Aufheizgeschwindigkeit |
Hoch:
hohe
Ausbeute,
Teer ist
reich an sauerstoffreichen ,wasserlösliche Verbindungen, Teer ist
instabil |
Gering:
geringere
Ausbeute,
Teer ist
relativ sauerstoffarm und stabiler
weniger
wasserlösliche Bestandteileteile |
|
Wasserdampfatmosphäre |
Begünstigt
hohe Teerausbeute ,Einfluß auf die Qualität wahrscheinlich
ungünstig |
|
|
Vortrocknung |
Vermindert
die Teerausbeute, Teerqualität ist von den Trocknungsbedingungen
abhängig |
|
Stückgröße |
Groß :
Vermindert
die Teerausbeute, verbessert die Qualität |
Klein:
Steigert die
Teerausbeute,
verschlechtert die Qualität |
Abwasser
Gleichzeitig
mit dem Teer fällt Abwasser an, in dem ein Teil der Teerinhaltstoffe
gelöst sind:
·
Phenole und andere
heterozyklische Kohlenwasserstoffe
·
Aromaten
·
Säuren
·
Undefinierbare, huminartige
Abbauprodukte der Holzsubstanz (wahrscheinlich Ligninabbauprodukte)
Allgemein
gilt, dass mit einer Verschlechterung der Teerqualität der Anteil
wasserlöslichen Anteilen im Teer zunimmt und sich das Abwasserproblem
damit verschärft.
Die
Abwasserbildung hat folgende Ursachen
·
Die Feuchte des Holzes
·
Abspaltung von –OH-Gruppen bei
der Pyrolyse
·
Nicht umgesetzter Wasserdampf
aus dem Vergasungsmittel
Die
Abwassermenge ist damit technologisch gut zu beeinflussen. Leider wird
diesen Möglichkeiten zu wenig Beachtung geschenkt.
Die Abwässer
aus der Holzvergasung haben Ähnlichkeit mit denen der Vergasung und
Verschwelung von jungen Braunkohlen. Im Vergleich zur
Braunkohlevergasung sind die Abwässer aus der Holvergasung durch
·Eine
größere Menge
·höherer
Gehalt an gut wasserlöslichen Stoffen
·größere
Anzahl chemischer Verbindungen
·schlechtere
biologische Abbaubarkeit
gekennzeichnet. Besonders schwerwiegend ist die noch größere Anzahl
chemischer Individuen, die die Reinigung dieser Abwässer noch
schwieriger macht.
Für die
effektive Reinigung dieser Wässer ist noch Entwicklungsarbeit zu
leisten.
Für die
Abwasserreinigung stehen aus der Braunkohleverarbeitung bewährte
Lösungen zur Diskussion:
- Biologische Verfahren :Überwiegend aerobe Verfahren der klassischen
Abwasserreinigung. Diese Verfahren erfordern eine
vorherige Entfernung von Phenol.
- Extraktion- in der
Regel zur Entfernung von Phenol
- Adsorption: Diese
Verfahren sind nur für gering belastete Abwässer wirtschaftlich.
Auch neuere
Verfahren sind prüfenswert:
- Chemische Verfahren:
Das Abwasser wird mit starken Oxidationsmitteln (O3 , H2
O2 ) teilweise unter Zugabe von UV-Licht behandel
-Thermische Verfahren: Bei
diesen Verfahren wird das Abwasser verdampft und anschließend
verbrannt. Diese Verfahren sind sehr sicher aber so energieaufwendig,
dass die Wirtschaftlichkeit fraglich ist.
Verfahrensvergleich
Festbettvergasung nach
Dr.Gatzke:
Das
Unternehmen KIB hat unter der Verwendung der klassischen
Drehrostgeneratoren ein sehr betriebssicheres Verfahren auf den Markt
gebracht. Der Einsatzstoff wird ohne Vortrocknung mit einer Stückgröße
von 50-80 mm eingesetzt.
Vorteile
· Die
Abwärme des Vergasungsgas wird für die Vortrocknung genutzt.
· Im
Bereich der Trocknung kondensieren hochsiedende Teerbestandteile,
wobei gleichzeitig Staub zurückgehalten wird.
· Die
großen Teilchen begünstigen eine tiefere Spaltung des Teeres.
Nachteile:
-
Große Teilchen
trocknen langsam. Während in den äußeren Regionen schon die
Trocknung abgeschlossen ist und die
Pyrolyse beginnt, läuft im
Inneren der Teilchen noch die Trocknung ab. Der dabei austretende
Wasserdampf erzeugt in
den äußeren Regionen die Effekte der
Wasserdampfschwelung.
-
Der Stoffumsatz bei
der Vergasung ist bei großen Teilchen geringer.
- Die Abwassermenge
wird durch die Feuchte des Einsatzgutes gravierend vergrößert.
Fluid-Verfahren
:
Modifizierte
Wirbelschicht- und Flugstromverfahren setzen gut zerkleinerte
Einsatzstoffe voraus. Trocknungsanlagen sind teilweise vorgeschaltet.
Die meisten Anlagen sind noch im Pilotmaßstab.
Vorteile
-
Fluidprozesse
ermöglichen sehr hohe Stoffumsätze.
-
Bei hinreichend
hohen Temperaturen und trockenen Einsatzstoffen ist eine
tiefe Spaltung der Teere möglich, wodurch
der Anteil an
wasserlöslichen Teerbestandteilen vermindert wird.
Nachteile
-
Die Abwärme des
Prozesses ist schwierig zu nutzen.
- Bei feuchten
Einsatzstoffen treten die Effekte der Wasserdampfschwelung auf. Der
Teer ist trotz höherer Temperaturen
wenig tief gespalten.
-
Es wird viel Staub
ausgetragen.
-
Die Abwassermenge ist
bei feuchten Einsatzstoffen sehr hoch.
Die
bisherigen Erfahrungen bei der Reinigung von Abwässern aus der
Holzvergasung zeigen, dass die Abwässer aus Fluid-Verfahren generell
schwieriger zu reinigen sind als die aus der Festbettvergasung.
Versuche
zur Abwasserreinigung
Die Abwässer
aus der Holzvergasung sind durch hohe CSB –Werte ( 4000- 110000mg/l)
und Phenolgehalte bis zu 2 g/l gekennzeichnet. Für die bewährte und
kostengünstige biologische Reinigung sind maximale Phenolgehalte von
300 mg/l einzuhalten.
Umfangreiche
Versuche ergaben:
-
Durch Extraktion mit
Pflanzenöl oder UV-Oxidation mit Luft kann der Phenolgehalt auf
180-300 mg /l vermindert werden.
-
Mit einem Intensiv-Bio-Reaktor lassen
sich nach Vorbehandlung durch Extraktion oder UV-Oxidation CSB-
Werte von 1000-
1200 mg/l erreichen. Der Rest-CSB besteht vermutlich
aus Huminsäuren, die schlecht abbaubar sind, aber keine
wesentliche
Umweltbelastung darstellen.
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