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1. Strömung in Drehzylinderapparaten
Wer die Strömung in Drehzylinderapparaten das erste mal beobachtet , ist
fasziniert .In dem Spalt zwischen dem drehbaren inneren Zylinder und der
äußeren zylindrischen Wand kann man ein gleichmäßiges Wirbelmuster sehen ,
das über einen relativ weiten Drehzahlbereich stabil ist . Dieses
Wirbelmuster läßt sich verhältnismäßig leicht sichtbar machen und ist seit
etwa 100 Jahren immer wieder Gegenstand zahlreicher Experimente und
theoretischer Untersuchungen gewesen. Taylor hat als erster versucht, das
Zustandekommen der nach ihm benannten Wirbel zu deuten (1). Weitere
Autoren haben, aufbauend auf den Untersuchungen von Taylor, versucht, im
Drehzylindersystem das Geheimnis der Turbulenz zu lüften.
In den letzten 20 Jahren hat die Verfahrenstechnik sich diesem
interessanten Apparat immer wieder beschäftigt.
Das typische Wirbelmuster - die Taylorwirbel - zeigen sich dem Betrachter
als Fischgrätenmuster (Bild 1), das durch die Überlagerung der
Wirbelbewegung mit der Rotationsströmung ergibt. Die Wirbel sind ringförmig
und paarweise gegenläufig angeordnet.
Die Höhe der Wirbel entspricht nach Taylor der Spaltweite zwischen dem
inneren und dem äußeren Zylinder. Untersuchungen des Autors ergaben, dass
besonders bei zähen Flüssigkeiten die Wirbelhöhe das Doppelte der Spaltweite
überschreiten kann und die Wirbel verschiedener Höhe nebeneinander
existieren können.
Bild 1 Taylorwirbel
Unter Verwendung der Spaltweite und der Drehzahl des inneren Zylinders läßt
sich eine Reynoldszahl definieren , die meistens Taylorzahl genannt wird
.Der Versuch , den Einfluss des Durchmessers des Innenzylinders bzw. des
Durchmesserverhältnisses zu berücksichtigen ,hat zur Definition von
mindestens 9 verschiedenen Taylorzahlen geführt . Eine Taylorzahl, die alle
Erscheinungen der Wirbelströmung ausreichend gut erfasst, ist bisher noch
nicht gefunden worden.
In Drehzylinderapparaten lassen sich wie bei der Rohrströmung die
verschiedenen Strömungsarten - laminare , Wirbelströmung und Turbulenz - in
Abhängigkeit von der Drehzahl erzeugen und bestimmten , charakteristischen
Bereichen der Taylorzahlen zuordnen . Die laminare Strömung läßt sich nur
sehr schwer beobachten und hat bisher sehr wenig Beachtung gefunden. Das
größte Interesse haben die Taylowirbeln gefunden, die sich im
Übergangsgebiet zwischen der laminaren und der turbulenten Strömung
ausbilden .Sie sind leicht zu beobachten und gut reproduzierbar zu erzeugen
.Die Strömung innerhalb der Taylorwirbeln ist laminar. Bei Steigerung der
Drehzahl werden sie instabil. Diese Instabilität zeigt sich in einer
Welligkeit der Wirbelgrenzen, die die Existenz einer zusätzlichen
Wirbelbewegung innerhalb des Taylorwirbels anzeigt ( Bild 2 ). Bei einer
weiteren Steigerung der Drehzahl werden die Wirbelgrenzen immer unschärfer;
der Übergang zur Turbulenz vollzieht sich für den Beobachter langsam.

Bild 2 Welligkeit der
Wirbelgrenzen bei Taylorwirbeln

Bild 3
2. Dispersionsverhalten
Die Geschwindigkeitsverteilung im Spalt eines Drehzylinderapparates zeigt
Bild 3.
Abgesehen von den großen Geschwindigkeitsgradienten in den Grenzschichten
des inneren und des äußeren Zylinders ist der Geschwindigkeitsgradient im
Spalt relativ gering. Das müsste gute Voraussetzungen für die Dispergierung
von Flüssigkeiten und Gasen schaffen.
Miteinander nicht mischbare Flüssigkeiten lassen sich im Drehzylinderapparat
sehr einfach dispergieren. Die erreichbare Tropfengröße ist von der
Apparategeometrie und der Drehzahl abhängig. Aus diesem Grunde wurde der
Apparat zur Flüssig- Flüssigextraktion patentiert ( 2 ).
Die Dispersion von Gasen ist schwieriger .Gase sind kompressibel und
deshalb elastisch. Die Gasblasen bewegen sich infolge der
Zentrifugalwirkung am rotierenden, inneren Zylinder. Eine merkliche
Zerkleinerung der Blasen aber unterbleibt, obwohl der
Geschwindigkeitsgradient am rotierenden Zylinder am größten ist .Die Blasen
werden infolge der Flüssigkeitsströmung in Bewegungsrichtung verformt
(Bild 4, 5)

Bild 4
Blasen sammeln sich
in den Wirbelgrenzen (oberer und unterer Rand des Bildes)

Bild 5
Koaleszenz bei hohen Gasgehalten
Auffällig ist, dass die Blasen sich an den Grenzen der Taylorwirbel sammeln
und dabei koaleszieren. Diese Koaleszenzneigung nimmt besonders bei höheren
Gasgehalten mit steigender Drehzahl zu , wie Messungen des dispergierten
Gasanteils ( hold up ) andeuten( Bild 6 ).

Bild 6
Hold up als Funktion der Drehzahl
3. Untersuchungen zum Stoffübergang
Für die Messung des volumetrischen Stoffübergangskoeffizienten ( kl
a-Wert) wurde ein Laborapparat ( Durchmesser 80 mm, Höhe 500 mm ,
Innenzylinder variabel ) verwendet . In diesem Apparat wurde sauerstoffarmes
Wasser im kontinuierlichen Betrieb im Gegenstrom mit Luft begast. Aus der
Zunahme des Sauerstoffgehaltes und dem Wasserdurchsatz wurde der kl
a-Wert errechnet. Die Darstellung der Abhängigkeit des kla-Wertes vom
spezifischen Energieeintrag ( Bild 7 ) im logarithmischen Maßstab ergibt
Kurven, die im Bereich der laminaren Wirbel bis P/V=20 W / m³ einen Anstieg
von etwa 0,2 -0,25 aufweisen. Der Übergang zur Turbulenz ist bei P/V= 40 W
/m³ abgeschlossen und der Anstieg der Kurve beträgt 0,4 -0,5 , wie es für
Rührer häufig beobachtet wird.

Bild 7
Volumetrischer Stoffübergangskoeffizient und spezifischer Energieeintrag
Auch Messungen des Stoffübergangs in Abhängigkeit von der
Gasleerrohrgeschwindigkeit ergeben für Rührreaktoren typische Werte. Für
Drehzylinderreaktoren ergibt sich noch ein zusätzlicher Einfluss durch die
Flüssigkeitsleerrohrgeschwindigkeit.
Für das Stoffsystem Wasser / Luft wurde als empirische Abhängigkeit
ermittelt:
kla = 0,05
* ( P/V ) x * U GO y *Uwo z
x = 0,2- 0,25 laminare Wirbel
x = 0,55 turbulente
Strömung mit Wirbelstruktur ( enger Zylinderspalt )
x = 0,4 -0,5 turbulente Strömung ohne Wirbelstruktur ( weiter
Zylinderspalt )
y = 0,4 -0,6 in Abhängigkeit von der Koaleszenz
z = 0,5
4. Anwendung von Drehzylinderapparaten
Das interessante Wirbelmuster in Drehzylinderapparaten hat zu einer Reihe
von Versuchen seiner technischen Anwendung geführt:
·Flüssig- Flüssigextraktion
·Destillation
·dynamische Mikrofiltration
·Flockulation
·Bioreaktor
·Synthesen in Mehrphasensystemen
·Gaswascher
Für den Reaktionstechniker sind besonders die Taylorwirbel von Interesse;
jeder Taylorwirbel kann als eine Rührkesselstufe aufgefasst werden. Krause
(3) Bild 7 hat das Verweilzeitverhalten von Drehzylinderapparaten im Ein-
und Zweiphasenbetrieb ( Gas - und Flüssigphase ) untersucht:
·
Im Einphasenbetrieb entspricht die
gemessene Rührstufenzahl etwa der Anzahl der Taylorwirbel, solange diese
eine laminare Struktur haben. Die Verweilzeitverteilung bleibt auch noch
günstig, wenn die Laminarität der Wirbel verloren geht.
·
Im Gas - Flüssigbetrieb ist die
Verweilzeitverteilung nur in einem engen Drehzahlbereich günstig. Der
Zerfall der Taylorwirbel wird zu höheren Drehzahlen verschoben. Im Bereich
der turbulenten Strömung werden nur wenige Rührstufen pro Meter Reaktorhöhe
erreicht.

Bild 8 Äquivalente Rührstufenzahl (nach Krause)
In Drehzylinderapparaten von technisch relevanter Größe werden die
kritischen Reynoldszahlen ( Taylorzahlen ) für den Zerfall der Taylorwirbel
und für die Ausbildung der Turbulenz schon bei geringen Drehzahlen
überschritten. Die günstige Verweilzeitverteilung der Wirbelströmung lässt
sich damit nur in Apparaten im kleintechnischen Maßstab nutzen.
Aus diesem Grunde wird der Drehzylinderapparat wahrscheinlich immer nur ein
interessanter Laborreaktor mit Optionen auf die kleintonnagige Produktion
bleiben.
Literatur:
(1) Taylor G. I. , Phil.Trans.
R. Soc. 1923 A 223, 289-343
(2) Maycock, US - Patent 1945
(3) Krause, B.; Dissertation
1988
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